Von Haaren – oder wie wichtig sind sie?

Der Titel mag etwas merkwürdig anmuten, denn die Wichtigkeit von Haaren wird normalerweise selten thematisiert. Inspiriert zu diesem Post hat mich ein Kommentar zu meinem Foto auf Instagram, unter dem ich mich über arg kurze Haarpartien nach einem Friseurbesuch beschwert habe. Ich habe eine Weile über das Thema nachgedacht und mich entschlossen, einfach etwas zu schreiben. Ohne große Hintergedanken, möglicherweise nur als eine Art Denkanstoß oder auch, um schlicht wieder etwas zu veröffentlichen. Aber vielleicht füge ich zum Schluss sogar noch ein paar meiner aktuell verwendeten Haarpflegeprodukte hinzu, passend zum Thema.

Worum es in dem besagten Kommentar ging? Nun, eine junge Frau fühlte sich scheinbar verpflichtet, mein Problem mit dem Schnitt als blöd darzustellen, da ihr immerhin „dank“ einer Autoimmunerkrankung die Haare ausgefallen sind und vermutlich nicht mehr nachwachsen – dies sei ja ein wahres Problem im Gegensatz zu meinem. Da stand ich nun, mein persönliches Problem einer Fehlkommunikation mit der Friseurin wurde als nichtig bezeichnet und ich damit auch gleichzeitig als doof, weshalb ich mich über sowas denn aufrege.

*Mein Problem ist schlimmer als dein Problem?*
Menschen (sowohl auf Social Media Kanälen als auch im realen Leben) neigen häufiger dazu, die Probleme und Situationen anderer zu klassifizieren und zu beurteilen, auch wenn ihnen das eigentlich nicht recht zusteht. Was, du beschwerst dich über dein Diabetes? Sei froh, dass du keinen Krebs hast. Du hast den Zug verpasst? Kannst doch glücklich sein, dass du überhaupt Geld für einen Zug hast, andere haben gar nichts und können nicht mal Zug fahren. Du lebst vegan? Was für ein Luxus, in Afrika hungern Kinder.

Mein Problem mit dem zu kurzen Haar war also für die Kommentarschreiberin also keins, während ihre fehlenden Haare ihr offensichtlich sehr zu schaffen machen, so dass sie sich über die Nichtigkeit meiner misslungenen Frisur aufregte.
Sind Haare wichtig? 

*Ohne Haare*
Ich habe folgende Erfahrung gemacht, als ich haarlos nach Chemotherapie mich in der Reha mit anderen Frauen in ähnlicher Situation ausgetauscht habe: für manche Frauen bedeuten Haare wirklich alles, zumindest in diesem Moment, wenn sie gar nicht mehr da sind. Ihre Weiblichkeit, ihr Selbstbewusstsein stehen und fallen mit dem Vorhandensein von Haaren. Für andere sind Haare etwas, das man auf dem Kopf hat oder nicht. Ich gehöre eher zu den letzteren, obgleich nicht zu 100 Prozent, wenn ich ehrlich bin. Aber keine Haare zu haben war merkwürdig befreiend für mich, und ich bin ein bisschen dankbar für diese Erfahrung, da ich mich wohl kaum freiwillig dazu entschlossen hätte meine Haare abzurasieren und selbstverständlich froh war, als sie wieder nachwuchsen.
Übrigens, meine Krebserkrankung in 2013 habe ich nie besonders thematisiert, da es etwas war, das mich nicht definieren sollte. Ich war überzeugt, ich werde gesund, mein Blog oder andere Kanäle sollten kein Forum für eine Krankheit sein, sondern weiterhin die angenehmen, eher nichtigen Dinge des Beauty-Lebens zeigen.

Jedenfalls hatte ich kein besonderes Problem damit, haarlos zu sein (meine Wimpern und Brauen hatten kaum gelitten und waren nur etwas spärlicher), für mein Umfeld war es wohl weitaus schwerer, damit klar zu kommen. Freunde, denen ich zum ersten Mal die Tür mit Glatze aufgemacht hatte, wirkten leicht schockiert trotz ihres Wissens um die Situation. Ich habe außerhalb der Wohnung Tücher getragen, das schien für die anderen weniger befremdlich zu sein als eine Glatze. Darüber hinaus war gerade Sommer und die schutzlose Kopfhaut war unter einer Bedeckung sowieso besser aufgehoben. Es war ganz angenehm, einen Grund zu haben, Tücher zu kaufen, ich bin nämlich hoffnungslos verrückt nach dieser Kategorie von Accessoires.
Ja, manchmal stand ich morgens vor dem Spiegel und dachte: ich sehe schon besser aus mit Haaren, gesünder vor allem. Auch hatte ich natürlich immer die Zukunft im Kopf, sie wachsen doch nach. Das ist sicherlich etwas anderes als das Wissen, für immer mit einer Glatze leben zu müssen.

Frauen, mit denen ich eine tolle Reha-Zeit verbracht habe, fühlten sich größtenteils anders. Sie erzählten, dass sie beim Verlieren der Haare sehr geweint haben und das Abrasieren die Hölle war, während wir ein Familien-Event daraus machten:
Mir war es wichtig, mein kleines Kind als Helfer einzubinden, damit die Situation völlig ohne Schrecken und ganz klar für ihn war. Und das kann ich nur empfehlen, sollte jemand in die Verlegenheit kommen. Während mein Mann mit dem Haarschneider werkelte, half mein kleiner Spatz mit einem Pinsel, die Haare von meinem Gesicht zu wischen.

Die Zeit mit der Glatze war für viele Frauen offensichtlich voller Selbstzweifel. Sieht mein Mann/Freund mich noch als Frau? Was denken die anderen? Bin ich hässlich ohne Haare? Wirkt mein nackter Kopf nicht eher wie ein Ei?
Manche haben sich ihren Kindern nie ohne Tuch gezeigt. Andere empfanden an der ganzen Krebsgeschichte den Verlust von Haaren als das schlimmste. Ich habe sehr versucht, sie nicht dafür zu urteilen, aber manchmal dachte ich insgeheim: komm schon, das ist nicht so wild. Und ganz ehrlich, all diese starken Frauen sahen auch irgendwie total cool ohne Haare aus! Wenn nicht mehr die Haare dich als Frau definieren, sondern du selbst als Persönlichkeit für dich stehen musst, dann wirkst du auch tatsächlich anders.

Hier wuchsen meine Haare bereits nach – entschuldigt das neblige Foto, mein damaliges Handy fand es sehr extravagant, alles nebulös zu machen:
Wie kommt es, dass auch heute noch in den Köpfen von vielen Frauen (und Männern) diese typischen Ideale stecken? Frau hat lange wallende Haare. Das ist schön, klar. Aber heute auch nicht das einzige Attribut, das uns weiblich sein lässt, oder?

Extreme können belasten. Während die einen sich ohne Haare unweiblich und schutzlos fühlen, können anderen lange Haare gar zu einer Bürde werden. Einen schönen Beitrag (einen von insgesamt drei zu dem Thema) hat Wuscheline geschrieben, die sich eines Tages ihre Pracht abgeschnitten hat, hier nachzulesen.

Wie ihr seht, hat mein Post nicht mehr im Sinn gehabt, als ein paar Gedanken zum Thema Haare. Definieren die Haare uns? Sind sie uns wichtig? Es gibt keine globale Antwort darauf, das entscheidet schließlich jeder für sich selbst.

Ich hatte mich nach der Misskommunikation beim Friseur mit den arg kurzen Partien nun abgefunden und inszenierte dafür eine Elvis-Tolle. Inzwischen sind die Haare schon zwei Mal nachgewachsen und sehen wieder ganz anders aus, mit kurzen Frisuren muss man sowieso etwa alle fünf Wochen zum Nachschneiden.

*Haarpflege*
Wollt ihr noch meine aktuellen Haar-Produkte sehen? Viel mehr als Waschen und Styling betreibe ich derzeit nicht, letzteres geschieht mit einem konventionellen Haarspray. Ich konnte einfach nichts finden, das die Haare den ganzen Tag an Ort und Stelle hält.

Die Pflege ist simpel:
Das Bioturm Shampoo hat mich wirklich erst mal nur aufgrund der hübschen Flasche angesprochen, muss ich zugeben. So richtig unterscheidet es sich in seiner Wirkung von anderen (nicht-Volumen-Shampoos) nicht, auch das möchte ich zugeben. Aber es reinigt sanft und gut, was ein Shampoo eben sollte. Kostenpunkt 5,95€ für 200ml.

Damit es ja nicht langweilig wird (den Haaren, nicht mir), nutze ich ein weiteres Shampoo, nämlich das No Perfume von Unterkam. Es riecht in der Tat gar nicht – wer Probleme mit seiner Kopfhaut hat, dem kann ich sehr empfehlen, auf unbeduftete Produkte zurück zu greifen. Die Haare fühlen sich sehr gut gereinigt nach der Anwendung, es gibt nur kein schönes Dufterlebnis 😉
Mit 6,99€ für 250ml etwas teurer, aber man bekommt auch 500ml Flaschen, damit spart man auf jeden Fall.

Die Kastenbein&Bosch Chia Wascherde habe ich „geerbt“ beim bunten Blogger-Tausch-Event auf der Vivaness in diesem Jahr und setze das etwa alle 2 Wochen für eine gründliche Reinigung der Kopfhaut und der Haare ein, insbesondere hilfreich, seit ich das Haarspray verwende. Der Geruch sagt mir weniger zu, es riecht etwas muffig nach Patchouli, behauptet meine Nase. Aber nach der Reinigung gehe ich meistens doch noch mit einem Shampoo drüber, das nett riecht.
Hier kosten 200ml übrigens 14,90€.

Einmal pro Woche benutze ich tatsächlich einen Conditioner, obwohl das bei kurzen Haaren selten notwendig ist, dafür werden sie zu oft geschnitten. Aber sie fühlen sich insgesamt weicher an, daher gebe ich mir selbst diese Freude mit dem farfalla Wildrose Haarbalsam, das ich schon vor geraumer Zeit zum Testen erhalten habe. Damals ließ ich meine Haare gerade wachsen (was ich mir ja alle paar Jahre vornehme, aber nie durchhalte), es kam gerade recht. Die Routine habe ich beibehalten.
14,5o€ bezahlt man für 200ml.

Haare sind sehr persönlich, aber ich stelle euch trotzdem einfach diese Fragen, die ihr auch für euch selbst im Stillen beantworten könnt 🙂
Sind Haare wichtig? Würdet ihr euch anders fühlen ohne? Wart ihr schon mal haarlos? Wie war das für euch?

Eure Viktoria

PS: ich werde versuchen wieder regelmäßiger zu bloggen und meinen Blog auch langsam in die Richtung meines Instagram-Accounts, der inzwischen leben_in_gruen heißt, verändern. Dort kommen bei mir neben Kosmetik vor allem Posts zu veganem Leben, Leben in München und einfach mein Alltag an die Öffentlichkeit. Wie sich das auf den Blog auswirkt, darüber brüte ich noch.

5 thoughts on “Von Haaren – oder wie wichtig sind sie?

  1. Hallo Viktoria, toller Post und gute Frage.
    Ich trage meine Haare seit 25 Jahren kurz. Mir stehen auch einfach keine langen Haare. Manchmal sind sie ein wenig „länger“, weil ich mal wieder anders aussehen möchte, dann sind sie wieder raspelkurz. Ich finde Menschen, ob nun Männer oder Frauen, merkwürdig die sagen, dass Frauen nur mit langen Haaren weiblich sind. Lieber laufen sie mit langen Spaghettihaaren rum und bei vielen würde ich am liebsten gleich selbst die Schere ansetzten

    Zu deiner Frage. Ganz ohne Haare würde ich mir sicher nicht gefallen. Aber ich denke schon, dass es eine sehr interessante Erfahrung ist. Eine Freundin hat aufgrund Chemo ihre langen traumhaft lockigen Haare verloren. Kurze Haare standen ihr aber so super. Da war plötzlich viel mehr Gesicht, viel mehr Persönlichkeit. Einfach toll. Sie hat sich die Haare wieder wachsen lassen. Ab und zu wünsche ich mir allerdings auch lange Haare, vielleicht im nächsten Leben
    LG Andrea

  2. Hallo von Viktoria zu Viktoria 😀
    Ich find es immer noch so cool, dass wir den gleichen Namen tragen, entschuldige bitte ;D

    Ich muss sagen: Für mich wäre das der große Horror bei einer Krebserkrankung! Ich liebe meine Haare sehr, sie sind defintiv mein liebstes Accessoire, vor allem in Bunt, wie seit mittlerweile gut 10 Jahren.
    Als interessante Erfahrung würde ich es auf jeden Fall verbuchen, das steht soweit fest.
    Natürlich gibt es schlimmere Probleme, aber ich mag sie halt sehr und würde sie wirklich ungern verlieren. Ich hatte sie immer lang und hach… Aber wie du schon sagtest: Sie wachsen wieder und damit würde ich das eben dann auch verschmerzen.
    Da ich aber genug Frauen mit kurzen Haaren kenne, finde ich aber nicht unbedingt, dass es weniger weiblich ist. Für mich ist es einfach eine Frage von Geschmack oder Lust auf eine bestimmte Haarlänge, mit „Weiblichkeit“ ansich hat es nicht viel zu tun.

    Ich finde den Ansatz, das Kind beim Rasieren einzubeziehen, übrigens sehr gut. Das Kind weiß so auf jeden Fall was Sache wird, kann teilhaben und wird nicht irgendwo mit rein geschubst.
    Da ich keine Augenbrauen mehr habe, male ich sie mir natürlich in der Öffentlichkeit auf, aber zuhause und ungeschminkt kennen mich meine Freunde auch ohne Augenbrauen. Ich denke, das kann man vielleicht ein gaanz kleines bisschen ähnlich sehen, wie Freunden mit Glatze die Tür zu öffnen. Klar ist das erstmal ungewöhnlich, gehört dann aber (in dem Moment) einfach zu einem. Du denkst da sehr toll, das mag ich!

    Liebe Grüße!

  3. Ich hatte vor knapp zehn Jahren meine Haare zum Jahreswechsel raspelkurz abgeschnitten. Sie waren so trocken und brüchig, dass ich keine Freude mehr daran hatte. 9mm sind verdammt kurz an Silvester mit Minusgraden.

    IMHO sind Probleme nicht relativ zu den Problemen anderer Personen, sondern absolut zum eigenen Empfinden. Und 100% traurig ist nun mal 100% traurig, egal ob das Gegenüber oder jemand auf Instagram das anders sieht. Mein liebstes Beispiel: „Nothing hurts more than a paper cut.“ Ich bin in jungen Jahren fast mal in Ohnmacht gefallen, als ich mir beim barfuß durch die Wiese laufen einen Schnitt am Zeh zugezogen habe. Tja. Ich wusste, logisch, dass da nix schlimmes passiert ist, aber mein Körper hat reagiert.

    Mir gefällt es, dass du deinen Sohn einbezogen hast. Ich glaube, dass Kinder viel mehr mitkriegen, aber auch vertragen, als wir glauben. Wenn wir sie teilnehmen lassen, fühlen sie sich als wichtigen Teil der Gemeinschaft – was sie auch sind. Das Bild sieht cool aus!

    Ich drücke die Daumen für 2018, +5 Jahre-Untersuchung.
    Karin | Green Conscience schrieb kürzlich: Umstieg auf Naturkosmetik | Minimalismus, Mix & MatchMy Profile

  4. Hallo.ein wirklich toll geschriebener artikel der mich berührt hat.ich habe mir dchon oft gleiche fragen gestellt. Vor allem dieses „sei doch froh,anderen gehts noch viel schlechter…. “ ich versuche mir auch manchmal,negative situationen schön zu reden …zb jammer nicht das du das jetzt nicht essen darfst.andere würden gern und haben erst garnichts…oder ähnliches“ aber ich kann mich nicht mit jemandem aus einem“ dritte-welt-land“ vergleichen. Und ich finde man hat nicht das recht die probleme anderer runterzuspielen.wenn man selbst gerade zb vor verschlossener tür steht weil der schlüssel innen liegt dann IST das gerade richtig bescheiden…da ist es auch in dem moment egal das ein anderer gar kein haus hat in dem er den schlüssel vergessen könnte. Und das macht es dann auch nicht besser das ich nun 100 euro für den schlüsseldienst zshlen muss und das geld nicht habe…du verstehst worauf ich hinaus will?!
    Und zu den haaren….meine frisur ist mein weg mich auszudrücken. Was ich aufgrund extremen Übergewicht nie -wie andere- mit kleidung handtaschen u.ä. nie tin konnte das hab ich über meine hasre getan. Meine ca quartalsweise wechselnden frisuren und haarfarben waren u sind mir sehr wichtig.daher definiere ich mich sehr über meine haare u sie zu verlieren wäre schlimm denke ich….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

CommentLuv badge